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Verständnis statt Missverständnis

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Sprechen zu können, ist eine wunderbare Gabe Gottes. Gute Fertigkeiten in der Kommunikation gilt es auch jenseits des Kleinkindalters zu erlernen. Die Beachtung von nur fünf Grundsätzen hilft, einander gut zu verstehen und Missverständnissen vorzubeugen. Gott möchte uns weiterführen.
Wie sehnsüchtig warten junge Eltern auf die ersten Worte ihres Nachwuchses. Doch auch ohne Worte verstehen Eltern ihre Kinder anhand von stimmlichem Ausdruck und Körpersprache. Die Kleinen sind durchaus schon Kommunikationstalente und erfahren die Wirkung ihrer  Äußerungen. Was bei kleinen Kindern kommunikativ etwas daneben geht, wird meist belächelt und bildet den Rahmen von lustigen Erlebnissen, die noch nach Jahren die Geburtstagskaffeetafel bereichern.
Wenn allerdings Erwachsene kommunikativ entgleisen, erwachsen daraus Beziehungsprobleme in der Ehe, Familie und unter Freunden, Differenzen am Arbeitsplatz und unter Nachbarn, bis hin zu Streitereien und Beleidigungen, die sogar vor Gericht enden können. Die Zahl der
in Deutschland polizeilich erfassten Beleidigungen steigt kontinuierlich; waren es 1995 „nur“ 115.240, so waren es 2013 schon 222.892 Fälle.

Schon dem Schreiber der biblischen Sprüche war bekannt:

„Wo viel Worte sind, da geht‘s ohne Sünde nicht ab ...“ Sprüche 10,19

und Jakobus meinte:

„Wer sich in Worten nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann.“ Jakobus 3,2

Hier könnte man schlussfolgern, dass eine erfolgreiche, verständliche Kommunikation völlig unerreichbar sei. Doch weit gefehlt! Allen gilt der Aufruf:

„Lernet Gutes zu tun!“ (2)

  „Die richtige Ausbildung und Benutzung des Sprachvermögens kommt in allen Zweigen christlichen Wirkens zur Geltung. Sie macht sich bemerkbar im Familienleben und in  unserem  Verkehr  miteinander.  Wir  sollten  uns  daran gewöhnen, im angenehmen Ton zu sprechen, reine und richtige Ausdrücke und gütige, liebevolle Worte zu gebrauchen. Liebliche, gütige Worte sind der Seele wie ein Tau und sanfter Regen. Die Schrift sagt von Christus, dass seine Lippen holdselig waren, dass er „wisse, mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden.“ Psalm 45,3; Jesaja 60,4. Und der Herr gebietet uns: „Eure Rede sei allezeit lieblich,“ „dass es holdselig sei zu hören.“ Kolosser 4,6; Epheser 4,29. “ 3  

Martin Luther empfahl:

„Ein Christ soll wenig Wort und viel Tat  machen.“ 4  

Es  lohnt  sich  also,  sich  mit  dem  zu beschäftigen, von dem wir meinen, wir könnten es längst: die Kommunikation.

1. Grundsatz: Der bewusste Einsatz der Kommunikation

 Etwas  so  komplexes,  wichtiges  und  folgenreiches,  wie die Kommunikation mit unseren Mitmenschen, sollte nicht unbedacht ablaufen. Zunächst müssen wir wissen, dass wir ständig kommunizieren, auch wortlos durch unser Verhalten. „Wir können nicht nicht kommunizieren“ sagte der Kommunikationsforscher  Paul  Watzlawick.  Was  wir  sind und wie wir uns geben, drückt etwas über uns aus. 5  

Nun wird es schwer sein und ist auch nicht beabsichtigt, sich ständig gekünstelt und wirkungsvoll in Szene zu setzen. Kommunikation soll kein Schauspiel sein, in dem wir eine Rolle spielen, die gar nicht unserem Wesen entspricht. 

1.1. Zwei Stufen in der Entwicklung der persönlichen, bewussten Kommunikation

 a) Das besondere Augenmerk liegt auf wichtige Situationen,  Gespräche,  von  denen  viel  abhängt,  z.B.  im  Job, bei Problembewältigungen in der Familie, aber auch in der Missionsarbeit und wo immer ein guter Eindruck vonnöten ist,  der  ein  wichtiges Anliegen  unterstreicht.  Sich  hier besondere  Mühe  zu  geben,  ganz  bewusst  auf  alles  zu achten, von der äußeren Erscheinung, der Körpersprache und Sprechtechnik bis zur eigentlichen inhaltlichen Wortwahl, ist vielen Menschen ein Anliegen, wenn es auch mit unterschiedlichem Erfolg umgesetzt wird.

 b)  Die  zweite,  schwierigere  Stufe  betrifft  die  bewusste Änderung  unseres  Wesens,  eine  dauerhafte  und  situationsunabhängige  Verbesserung  unserer  Kommunikation. Das Ziel ist es, immer freundlich, aufmerksam, verständlich und liebevoll zu kommunizieren - und nicht nur in besonderen  Situationen,  in  denen  wir  uns  „zusammenreißen“, weil es uns Vorteile verspricht. Ist das überhaupt möglich? 
Ja! Paulus nennt es: „den neuen Menschen anziehen“ 6

Die Etappensiege, die uns in der Bibel aufgezählt sind, beziehen  sich  nicht  auf  ein  augenblickliches  Verhalten, sondern  eine  beständige  Hinwendung  eines  zuvor  sündigen  Menschen  zur  Heiligung  und  Vollkommenheit  in Christus: „ … legt die Lüge ab und redet die Wahrheit … der  stehle  nicht  mehr  …    dem  Bedürftigen  abgeben  … kein faules Geschwätz … redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören … Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Epheser 4,24-29 „… ändert euch durch Erneuerung  eures  Sinnes,  damit  ihr  prüfen  könnt,  was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Römer 12,2.

 Wer denkt, er brauche nur liebevoll sprechen und sich gut benehmen, wenn es entscheidende Leute mitbekommen, dem sei gesagt,

„dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts von einem jeden nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.“ Matthäus 12,36

 Wer generell ein liebevolles Wesen hat, gewohnheitsmäßig freundlich und verständlich spricht und mit seiner Körpersprache  stets  einen  sympathischen  Eindruck  macht, wird  die  Grundsätze  einer  bewussten  Kommunikation leichter umsetzen können. Doch auch ihm gilt: Satan lauert überall, um uns zur Sünde zu verleiten, darum: „Habe acht auf dich selbst ...“ 1. Timotheus 4,16  

 „Jesus ist unser Bürge und Mittler und hat alle Hilfsmittel in unsere Hände gegeben, dass wir einen vollkommenen Charakter haben können.“ 7  

 1.2. Kommunikationsmittel

Drei Bereiche gehören zur Kommunikation und bilden in ihrer Anwendung eine Einheit: Sprachvermögen, Sprechtechnik und Körpersprache. Auch nur eins davon zu vernachlässigen, bedeutet, die Chancen für eine erfolgreiche Kommunikation  erheblich  zu  verringern  und  sogar  den gegenteiligen  Effekt  zu  erzielen.  So  wird  ein  sinngemäß freundliches  Wort  mit  einer  ablehnenden  Haltung  und  im arroganten  Tonfall  vorgetragen,  Feindschaft  signalisieren oder zumindest als unglaubwürdig verstanden werden.
Was vermittelt einen ersten Eindruck von einer Person? 
Wer hierbei vorrangig an Sprache denkt, hat damit lediglich  20%  des  Wirkpotenzials  ausgeschöpft.  Schätzungsweise 55% -75% des Ersteindrucks gehen auf das Konto der Körpersprache. 8  

Die  Körpersprache  (nonverbal)  bezieht  sich  auf  vier Ebenen:  Blickkontakt,  Mimik,  Gestik  und  Körperhaltung. 
Es ist erstaunlich, dass alle diese heute als neu und wissenschaftlich angesehen Erkenntnisse bereits in der Bibel und den Spätschriften zur Bibel (Apokryphen) vorkommen:

Blickkontakt: „ … Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. …“ 1. Mose 4,7

Mimik: „Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht.“ Sprüche 15,13

Gestik: „Sie bereitet ihre Hände aus zu dem Armen und reicht ihre Hände dem Bedürftigen.“ Sprüche 31,20

Körperhaltung: „Man sieht‘s einem an, was für ein Mann er ist, und einen Vernünftigen erkennt man an seinem Auftreten.“ (Sirach 19,26)

Wie nahe wir einem Menschen kommen, bezieht sich in der Körpersprache auf unseren Abstand zu ihm (Distanz), ob und wie wir ihn berühren und die Bedeutung des Geruches.  Wir  kennen  das  unangenehme  Gefühl,  wenn  uns jemand zu nah „auf die Pelle rückt“. Hier gibt es zwar kulturelle  Unterschiede,  doch  die  europäische  Wohlfühlentfernung zwischen zwei Gesprächspartnern beträgt mindestens die Länge eines ausgestreckten Armes. Dieses Maß ist jedoch abhängig von der Bekanntheit und Vertrautheit zwischen den Menschen. An den körpersprachlichen Reaktionen des Gegenübers ist im Zweifelsfall abzulesen, ob wir den anderen mit zu viel Nähe bedrängen.

Bei Berührungen ist Vorsicht geboten. Hier muss mit viel Sensibilität eingeschätzt werden, wo eine Berührung, die über das normale Händeschütteln als Begrüßung hinausgeht, als aufdringlich oder gar anzüglich verstanden werden könnte und wo es nötig ist, jemanden tröstend in den Arm zu nehmen, die Hand zu streicheln oder im tatsächlichen Sinn den Rücken zu stärken.

Eine bewegende Berührung wird uns in der Bibel geschildert. Die Geschichte vom verlorenen Sohn beschreibt uns den Vater so: „Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Lukas 15,20 Hier haben wir ein Bild für Gott, der auf jeden von ihm entfernten Menschen wartet und ihm so nah kommen möchte, wie ein Vater seinem heimkehrenden Sohn.

Die Sprechtechnik und Sprechweise

Hierzu gehören Lautstärke und Sprachgeschwindigkeit, Stimmlage  und  Klangfarbe,  Dialekt  und  Sprachmelodie, Aussprache und Betonung, Einsatz von Pausen und Füllwörtern.Sprechtechnik und Sprechweise sind der Moderator des sprachlichen  Inhalts.  Sie  entscheiden  in  hohem  Maße darüber,  was  wie  beim  Hörer  ankommt.  Was  ein  angenehmes, verständliches Gespräch ausmacht, wissen wir meist gut, denn jeder ist auch oft in der Position des Hörers. Diese positiven Elemente für die eigene Sprechweise zu nutzen,  verbessert  unsere  Verständlichkeit.  „Langsam, laut und deutlich“ mahnt der Lehrer seine Schüler vor dem Auftritt. Wir sollten uns hin und wieder daran erinnern.

 2. Grundsatz: Vermeidung von Missverständnissen in der Kommunikation

 Ob im privaten Bereich, in der Gemeinde oder am Arbeitsplatz, stets sind Missverständnisse eine Quelle von Ärgernissen,  Disharmonien,  Streit,  falschen  Handlungen  und Fehlentscheidungen. Wenn nach so einer Irritation gesagt werden  kann:  „Ich  habe  dich/du  hast  mich  missverstanden.“,  dann  ist  dies  noch  eine  erfreuliche  Kehrtwende. Allzu oft aber bleiben Missverständnisse und fehlerhafte Eindrücke unerkannt, unbenannt und werden somit nicht korrigiert.  Sachverhalte  und  Menschen  werden  „in  eine Schublade gesteckt“, aus der sie sehr schwer wieder herauskommen. Man hat sich ein Bild gemacht, das sich manifestiert und zu dem die weitere Kommunikation passend interpretiert wird. Weil das leider zu oft so ist, sollte der Vermeidung von Missverständnissen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. 

2.1. Verständlichkeit

Wie teile ich was wem mit? Im Bemühen, möglichst intelligent und kompetent zu erscheinen, wird gern mit einer fach-  und  fremdwortgespickten  Informationsfülle  in  verschachtelten Sätzen weit über das Ziel der Verständlichkeit hinausgeschossen. 

Der Verständlichkeit dienlich sind:

- kurze, einfach strukturierte Sätze

- allgemein bekannte, verständliche Begriffe, keine Fremdworte und Fachbegriffe

- Anschaulichkeit durch Beispiele

- klare Struktur der Information („roter Faden“)

- nicht zu viele Informationen auf einmal; auf den Zuhörenden achten: Kann er noch folgen? 

Im Schnitt kann sich ein Mensch fünf bis maximal neun Informationen gleichzeitig merken. Umfassende Informationen, wie sie z.B. im Arbeitsprozess vorkommen, sollten daher lieber schriftlich verfasst werden.

 2.2. Wesentliches zur Vermeidung von Missverständnissen

Sprache  und  Körpersprache  müssen  übereinstimmen. Im Zweifelsfall wird eher der Körpersprache geglaubt. Die Aussage „Mir geht es prima“ - mit hängenden Schultern, in gebückter Haltung und traurigem Blick - ist unglaubwürdig.Die Betonung eines bestimmten Wortes, eine effektvolle Pause  oder  die  Erzeugung  einer  besonderen  Situation können  bei  ein  und  demselben  Satz  unterschiedliches Verstehen auslösen. „Hast du das gekocht?“, „Hast du das gekocht?“  oder  „Hast  du  das  -  gekocht?“  In  jedem  Fall versteht es der Gefragte anders. 

Das Motto lautet: Einfach und verständlich kommunizieren! Wir sind dafür verantwortlich, was beim Gegenüber ankommt. 

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Bei Unsicherheiten gibt es nur einen Weg: Nachfragen! „Habe ich dich richtig verstanden? Meinst du, dass …?“ „Hast du mich richtig verstanden? Habe ich mich verständlich ausgedrückt? Ich meine es so bzw. nicht so ….“ Achtung, die Fragen nicht im anklagenden Befehlston vortragen, sondern freundlich und mit warmer Stimme!

Missverständnisse  können  durch  Feedback  und  Metakommunikation aufgeklärt werden. Das Feedback ist eine Rückfrage des Informationsgebers - „Was genau hast du vom Gesagten verstanden und dabei empfunden?“ oder die Rückmeldung des Hörenden - „Habe ich dich richtig verstanden,  dass  …“.  In  der  Metakommunikation  wird darüber gesprochen, wie man miteinander redet und sich zueinander verhält. Der eigentliche Sachgegenstand der Kommunikation  wird  verlassen  und  die  Rahmenbedingungen, die emotionale Ebene und Vorerfahrungen werden betrachtet. Wichtig ist, bei einem Feedback und in der Metakommunikation nicht nur Kritik, sondern auch positive Elemente einzubringen. Andernfalls könnte eine Störung in der Kommunikation eher noch verschlimmert werden. Bei gutem Willen aber sind Feedback und Metakommunikation optimale Mittel, Missverständnisse auszuräumen.

3. Grundsatz: Beachtung der Ebenen innerhalb der Kommunikation

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun veranschaulicht die Ebenen der Kommunikation: 9

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Hinter  einer  Nachricht  verbergen  sich  der  eigentliche Sachinhalt,  eine Aussage  über  den  Sprechenden  (Sender),  die  Beziehung  zwischen  Sprecher  und  Empfänger (Hörender) und ein Appell an den Empfänger. Beispiel: 

Nachricht: „Deine Krawatte ist bekleckert.“

Sachinhalt: „Die Krawatte ist schmutzig.“

Selbstoffenbarung: „Ich würde nie so ´rumlaufen.“

Beziehung: „Ich muss mich um dich kümmern.“ 

Appell: „Mach die Krawatte sauber!“

Während  die  eigentliche  Nachricht  mit  dem  Sachinhalt eine direkte Kommunikation darstellt, gehören die anderen Ebenen zur indirekten Kommunikation. Das sind die Bereiche, die gern zu Missverständnissen führen. Unsere Beziehung zum Gesprächspartner und unsere Bereitschaft zum wohlwollenden Hören und Verstehen entscheiden in hohem Maße darüber, ob die Kommunikation harmonischverständlich  oder  disharmonisch-missverständlich  verläuft. Sender und Empfänger sollten sich bemühen, das Gespräch zu einem Erfolg zu machen: Der Sender durch verständliche, freundliche Worte und der Empfänger durch die Entscheidung, nicht „jedes Wort auf die Goldwaage zu legen“ und „nicht alles in den falschen Hals zu kriegen“.

Im obigen Beispiel könnten die Empfängerreaktionen so aussehen:

Nachricht: „Deine Krawatte ist bekleckert.“            

„Aha, ich habe mich also bekleckert.“

Sachinhalt: „Die Krawatte ist schmutzig.“                  

  „Ja, es fällt wirklich ins Auge.“

Selbstoffenbarung: „Ich würde nie so `rumlaufen.“   

„So schlimm ist es nun auch wieder nicht.“

Beziehung: „Ich muss mich um dich kümmern.“       

  „Ich bin dankbar für den dezenten Tipp.“

Appell: „Mach die Krawatte sauber!“                          

„Ich geh gleich mal zum Waschbecken.“

 In einer Kommunikation werden, ob bewusst oder unbewusst,  Gefühle  ausgelöst.  Der  Sender  übermittelt  seine Gefühle und erzeugt wiederum welche beim Empfänger. Die Palette der Möglichkeiten ist riesig. Es kann schon ausreichen, dass der Angesprochene den Eindruck gewinnt, der  Sprecher  sei  in  Eile.  „Der  nimmt  sich  keine  Zeit  für mich. Ich bin ihm nicht wichtig.“ Trauer, Enttäuschung und das Gefühl der Abwertung wirken nicht nur temporär, sondern werden in weitere Gespräche mit diesem Sender hineingenommen. 

 Der Zustand verbessert sich, wenn 

 a)  einer  oder  möglichst  beiden  Seiten  die  Situation bewusst wird und

b) einer oder sogar beide bereit sind, eine Veränderung, einen neuen Start miteinander zu wagen.

„Mit dem kann ich nicht!“, „Die ist immer so …!“ oder „Der versteht mich eh nicht!“ sind festgefahrene Meinungen, die dem anderen keine Chance geben. Die Sachlage anzusprechen, wird selten etwas verschlimmern. Hier kann es nur Gewinner geben. Bleibt nicht stehen bei einem unerfreulichen Miteinander. Die Bibel rät uns: „Pflügt ein Neues und säet nicht unter die Dornen!“ Jeremia 4,3 Wir erwarten, dass Gott nach jedem Scheitern unsererseits wieder neu mit uns anfängt. Das ist unsere Aufgabe, auch unter uns Menschen immer wieder zu einem Neuanfang bereit zu sein.

Einander  nicht  verletzen  zu  wollen,  sollte  unser  Herzensanliegen  sein.  Eine  gute  Kommunikation  wird  allerdings  nicht  daran  gemessen,  dass  die  Meinung  der Gesprächspartner übereinstimmt.

Gemeint, ist nicht gesagt,
gesagt ist nicht gehört,
gehört ist nicht verstanden,
verstanden ist nicht einverstanden.

4. Grundsatz: Beachtung vorgefasster Meinungen in der Kommunikation

Der Weg einer Information vom Sender zum Empfänger gleicht oft dem Kinderspiel „Stille Post“. Was jemand ausdrücken möchte, stimmt oft mit dem tatsächlich Gesagten nicht überein. Das Gegenüber hört die Information, nimmt etwas Bestimmtes wahr und findet seine eigene Interpretation. So kann in einem Gesprächskreis ein Redner mit seinen  Worten  ganz  unterschiedliche  Reaktionen  auslösen. Alle haben dasselbe gehört - und doch kam es ganz unterschiedlich bei ihnen an. Warum? Jeder bringt seine persönliche  Geschichte,  seinen  Charakter,  seine  Erfahrungen und die persönliche Tagesform in den Vorgang des Hörens, Wahrnehmens und Interpretierens ein. All dies zusammen bilden seine Vor-Urteile.

Wer  als  Sprechender  den  Hörer  und  seine  besondere Situation  kennt,  sollte  unbedingt  darauf  reagieren.  Die Beachtung  der  Hörertypologie  (Zu  wem  spreche  ich?) und das Einfühlen in die Hörerrolle (gedanklicher Rollentausch)  können  vor  manchem  Missverständnis  und  vor mancher Verletzung des Hörenden bewahren.
Aus erfahrungsbedingten Vor-Urteilen können nach einer auswählenden Wahrnehmung feste Vorurteile erwachsen. Die  Geschichte  mit  dem  Hammer  ist  ein  Paradebeispiel dafür:

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas  ein.  Wenn  jemand  von  mir  ein  Werkzeug  borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn  unser  Mann  an:  „Behalten  sie  ihren  Hammer,  Sie Rüpel!“  10 

 

Das bereits unter Punkt 2 erwähnte Feedback und die Metakommunikation sind auch bei der Überwindung vorgefasster,  korrekturbedürftiger  Meinungen  hilfreich.  Wer ein Feedback gibt, sollte in der Ich-Form sprechen, konkrete Sachpunkte benennen, unbedingt auch positive und konstruktive Vorschläge unterbreiten.

Es lohnt sich, gute Freunde um ihre Meinung zu bitten, wie man kommunikativ ankommt und was wie zu verbessern wäre. In der Selbstreflexion ist ehrlich darüber nachzudenken,  wie  man  selbst  auf  seine  Reden  reagieren würde, wenn jemand anderes sie spräche. Auch der Sprecher kann mit Vorurteilen beladen seinem Hörer entsprechend  belastet  begegnen.  Bei  all  dem  ist  zu  bedenken, dass wir alle in der Schule der Kommunikation auf dem Wege sind, „denn wir verfehlen uns alle mannigfaltig …“ (Jakobus  3,2)  
Entsprechend  bleiben  wir  Lernende,  die aus der Gnade Gottes und der gegenseitigen Vergebung leben.

„Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.“ Matthäus 6,14

5. Grundsatz: Kommunikation und Beziehung beeinflussen einander

Wenn wir in der Bibel den Aufruf lesen: „Eure Rede sei allezeit freundlich!“ 11  , so ist das immer richtig. Dennoch sprechen wir mit der Nachbarin anders als mit unserem Chef,  mit  der  trauernden  Freundin  anders  als  mit  dem Kind,  das  gerade  eine  Prüfung  bestanden  hat. Auf  ein Gespräch mit einem Mitarbeiter, mit dem wir schon mehrfach Probleme hatten, werden wir uns anders vorbereiten als auf den Smalltalk bei einer Geburtstagsfeier. 
Aus der Art der Beziehung erwächst eine entsprechend angepasste  Kommunikation.  Gleichzeitig  gestalten  die Erfahrungen aus der Kommunikation mit einem Menschen die Beziehung zu diesem.

Beides,  Beziehungspflege  und  Kommunikationsgestaltung, bedingt einander und stellt hohe Anforderungen an uns dar. Von Grundsätzen der Kommunikation bis hin zu manipulativen Tricks können wir vieles erlernen, was uns durchaus scheinbare Erfolge bescheren kann. Doch wenn uns der rechte Blick auf unseren Gesprächspartner fehlt, wenn wir uns mit der Liebe Gottes nicht beschenken lassen, um diese weiterzugeben, dann bleiben wir lediglich geschickte  Redner.  Gott  möchte  viel  mehr  in  unserem Leben erreichen. Er möchte aus uns Menschen machen, die ihren Nächsten von Herzen nahekommen und sie aufrichtig in Wort und Tat lieben. Mit dieser Einstellung ändert sich alles. Dann ist es nicht mehr unser Ziel, ein Gespräch möglichst vorteilhaft für uns zu führen und hinterher irgendwelche Erfolge und Gewinne zu verbuchen. Sicher, auch das  kann  Gott  nach  seinem  Willen  schenken.  Doch  die Hauptsache ist, wie es dem Gegenüber geht und dass er bereichert und gesegnet aus unserem Gespräch herausgeht.
Manche  Menschen  neigen  dazu,  manchmal  auch  ihrer Position als Chef geschuldet, sich über ihren Gesprächspartner zu stellen. Es gibt wirklich Menschen, da haben andere stets den Eindruck, in der Defensive zu sein. Im Ergebnis duckt sich manch einer besonders tief, andere reagieren  demotiviert  bis  hin  zu  aufsässig.  Kommunikationsforscher  empfehlen  einen  partnerschaftlichen  Umgangston auf gleicher Ebene, auch im Berufsalltag. 12  Das ist ein Anfang, doch die Bibel möchte uns noch weiter führen:

„… dass niemand mehr von sich halte, als sich´s  gebührt  zu  halten,  sondern  dass  er maßvoll von sich halte … Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“ Römer 12,3.10.  

Gott möchte uns die Einstellung schenken, dass wir uns um die Seele unseres Gesprächspartners sorgen. Dementsprechend berührt jedes Gespräch auch Bereiche der Seelsorge. Wer spricht, steht in der Verantwortung, dem Empfänger  von  Informationen  und  Anweisungen,  erst recht dem, der kritisiert werden muss oder mit dem es ein Problem zu besprechen gilt, neben aller Sachlichkeit auch Gottes Liebe zu zeigen. Im allerweitesten Sinn ist jedes Gespräch ein Missionsgespräch, das über unsere Glaubwürdigkeit als Christen mehr aussagt als gut vorbereitete Vorträge. Von Christen verletzt und enttäuscht worden zu sein, wird oft als Grund des Beziehungsabbruchs zu Gott und  zur  Gemeinde  genannt.  Einander  jedoch  eine  Hilfe auf dem Weg zur Ewigkeit zu bedeuten, sollte auch das Anliegen unserer vielfältigen Kommunikation sein.

 

 

 

 


Quellen aus diesem Artikel

 11 vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157630/umfrage/

2 vgl. Jesaja 1,17
3 E.G. White, Christi Gleichnisse, S. 333
4 http://www.aphorismen.de/suche?text=worte+&autor_quelle=Luther
&thema=
5 vgl. Selbstlernkurs Kommunikationspraxis, Gabal Verlag 2008, S. 7
6 vgl. Epheser 4,24
7 E.G. White, Bibelkommentar, S. 431
8 vgl. Selbstlernkurs Kommunikationspraxis, Gabal Verlag 2008, S. 8.9.
9 vgl. Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden,
Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 15
10 Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein, Piper,
München 1983, S. 37
11 vgl. Kolosser 4,6

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